Bibcamp #bib9 HdM Stuttgart 08/09. April

Mir ist aufgefallen, dass ich nie den Bibcamp Bericht zu Leipzig geschrieben habe… ärgerlich und ich befürchte ihn retrospektiv zu schreiben kriege ich nicht hin. Dann immerhin über Stuttgart.

Gleich zu Anfang bin ich ziemlich neidisch auf diesen richtig echten Campus von Universität und HdM. Wenn man an einer UB arbeitet die auf zwei Städte verteilt ist und am Hauptsitz auf das komplette Stadtgebiet, dann träumt man von so einem Campus 😀

Es war diesmal ein kleines Bibcamp mit wohl nicht ganz 80 Teilnehmenden. Ein Grund sicherlich auch, dass kurz vorher erst Bibliothekskongress in Leipzig war.
Bei der Vorstellungsrunde waren dann gefühlt die Hälfte der Teilnehmenden von der HdM, aktuell und ehemalig.

Organisiert war es, wie an den Hochschulen ja üblich, von den Studierenden (die hartnäckig nicht gegendert haben, auch nicht (nachträglich) in den Mitschriften).
Das Team hat seine Arbeit gut gemacht, Ausschilderung im Haus war sehr gut, für Essen und Trinken war gesorgt und auf Wunsch einer einzelnen Dame (*räusper*) sogar noch Sojamilch gekauft 😀

Die Sessionplanung ist ja immer ein bissel schleppend, aber alles in allem lief es gut und wir hatten zwei interessante Tage. Die Sessiondokumentationen gibt es gebündelt hier.
Es wurden ja im Vorfeld Themen gesammelt, einige der interessanten Themen konnten aber leider nicht umgesetzt wurden, weil die Leute dazu scheinbar nicht da waren. Bei anderen Themen hat sich aber Ersatz gefunden.

Ich habe auch ein Thema moderiert: Kommunikationsprobleme zwischen Kollegen_innen.
Wer sich nicht durch die Mitschrift kämpfen will, hier kurz eine Zusammenfassung von mir.
Erstens, man ist nicht allein mit dem Problem. Das beruhigt. Und zweitens, es ist weniger ein Kommunikationsproblem als Problem von verschiedenen Persönlichkeiten. Und daher ist es schwer bis gar nicht lösbar. Tatsächlich ist die gängige Lösung, dass der_die Kollege_in oder man selber in eine andere Abteilung wechselt.
Natürlich sollte vorher versucht werden miteinander zu reden, die Probleme sollten offen auf den Tisch kommen.
Was ich auch feststellen musste, dass es einfach einen großen Redebedarf gibt, viele reden mit Freunden aber scheinbar war auch die Session einfach mal eine Gelegenheit sich diese Probleme von der Seele zu reden.
Wir haben also als Lösungsansätze: Probleme ansprechen, Versetzung, mit Freunden reden.

Meine erste Session bei der ich war handelte davon wie man Menschen für die Bibliotheksschulungen begeistern kann. Ich fand die Session sehr informativ und ich werde im Blog meiner UB noch einen Beitrag speziell zum Thema Schulungen schreiben. Denn was in der Session klar wurde, so ziemlich alle Bibliotheken haben das ähnliche Problem, die allgemeinen Bibliothekseinführungen sind schlecht besucht, die spezielleren Themen (vor allem Literaturverwaltungssoftware) wesentlich besser. Daher sollte überlegt werden, ob man Schulungen nicht spezieller ausrichtet. Auch scheint es ein Problem zu sein, dass die Schulungen immer gleich zu Semester-/Studienanfang rausgehauen werden. Gerade die neuen Studierenden sind eh überlastet mit all den Informationen die sie bekommen und generell der neuen Situation Studium. Dass der Elan auch noch eine Bibliotheksschulung zu machen, da vielleicht nicht mehr groß ist, ist gar nicht so weltfremd 😉 Auch ist das Wording (ein schönes Wort) wichtig. „Richtig zitieren“ ist ansprechender als „Datenbankenrecherche“. Und sicherlich können sich die meisten unter zitieren auch mehr vorstellen, als unter Datenbank. (womit wir wieder bei meinem Lieblingsthema sind, dass wir Bibliothekare_innen so furchtbar schlimm reden).

Ein anderes interessantes Thema war auch „Umgang mit schwierigen Bibliothekaren_innen„. Da gib es quasi um uns, durchaus auch kritisch. Sehr gut. Es ging dabei um die Kollegen_innen die viel Nutzer_innenkontakt haben, insbesondere das Infopersonal.
Ich finde da viel wieder, was ich auch immer mal von meinen Kollegen_innen höre (nicht zwingend Info, eher so alle die Abenddienste an der Ausleihtheke machen dürfen). Für viele ist es ein Problem, dass mittlerweile viele technische Fragen kommen. Wobei Technik hier die Kopierer, Scanner oder das W-LAN sind. Kann ich so sofort unterschreiben. Wichtig ist einfach, dass die Kollegen_innen entsprechend geschult werden. Bzw. dass man weiß, wen man fragen kann bzw. an wen man die fragende Person verweisen kann. Auch als Infopersonal muss man nicht jede Frage beantworten können, aber man sollte zumindest wissen wen man alternativ fragen kann.
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die wenigsten Benutzer_innen es schlimm finden, wenn man etwas nicht weiß. Am Ende ist ihnen wichtig, dass sie Hilfe bekommen und wenn ich dafür jemanden anrufen muss oder sie an die passende Stelle verweise ist das auch okay.

Und wo war ich noch? Natürlich beim ewigen Social Media Thema. Wirklich Neues gibt es nicht zu berichten, habe ich auch nicht erwartet 😉 Auffällig war, es waren echt viele Leute da, aber kaum jemand hat mitdiskutiert. Keine Ahnung was sich die einzelnen Menschen so erhofft haben. Ich denke Social Media ist mittlerweile auch etabliert innerhalb der Bibliothekswelt, wirklich was Neues sehe ich da momentan nicht. Aber, eigentlich ging es bei der Session auch um die Frage ob man quasi auf jeden neuen Social Media Zug aufspringen muss.
Die Antwort ist: Nein. Natürlich kann es jeder privat ausprobieren, aber für die Bibliothek darf man auch warten wie sich der Dienst so entwickelt und in Deutschland etabliert. Einig waren wir uns allerdings, dass niemand so recht den Nutzen von Snapchat für Bibliotheken sieht. Kennt jemand Bibliotheken (weltweit) die den Dienst nutzen? Würde mich ja interessieren, was die da machen.

So.. soviel zu den Sessions. Und nun muss ich noch ein wenig kritisieren und ein Thema aufgreifen welches vom Orgateam am Ende des Bibcamps angesprochen wurde.

Ich gebe zu, es ist ein bissel meckern auf hohem Niveau. Also es gab einen selbst bedruckten Beutel (super!) und recht viel Werbematerial (nicht super, ist wie auf Kongressen wo alle erst mal die Mülleimer verstopfen). Und hier gleich die Kurve zum angesprochenen Problem, scheinbar hatten das Orgateam Finanzierungsprobleme, weil man den Firmen die was Spenden sollen, nicht genügend Werbefläche einräumen darf.

Kurz zu Barcamps (was das Bibcamp ja ist). Barcamps sind ja quasi ein Gegenentwurf zu klassischen Konferenzen. Auf klassischen Konferenzen steht das Programm fest, es gibt Vorträge und dann wenig bis keine Zeit um auf Fragen/Probleme/Diskussionsbedarf einzugehen.
Traditionell war es beim Bibcamp immer so, dass es kostenfrei war. Und auch frei von Werbeständen der Sponsoren. Ich wüsste auch nich was ekz, BIB und Konsorten da hinstellen wollen. Ich denke die meisten gehen zum Bibcamp um tatsächlich mal aktiv Probleme besprechen zu können und nicht weil sie ein neues Regalsystem kaufen wollen.

Schon immer, wurden die Sponsoren auf der Homepage genannt und teilweise hatten sie die Möglichkeit Infomaterial auslegen zu lassen. Angesichts der eher kleineren Teilnehmerzahl der Bibcamps wäre jeder weitere Aufwand eigentlich ein finanziell übertriebener Aufwand der Sponsoren. Extra Personen für zwei Tage in eine Stadt schicken, Hotel bezahlen und Gehalt ist sicherlich teurer, als eine Finanzspritze und Werbematerial zu übergeben.

Nun kam also die Frage auf, ob man nicht doch einen, ich nenn es mal „Umkostenbeitrag“ erheben sollte. Ich bleibe bei meinem, schon in Stuttgart geäußerten, nein.
Übrigens nicht, weil ich nicht bereit wäre dafür Geld zu zahlen. So mal der vorgeschlagene Betrag bei 20€ war. Viele scheinen dass Geld fürs Bibcamp auch erstattet bekommen (also Fahrt- und Übernachtungskosten). Für Studierende sollte es weiterhin kostenfrei bleiben, dass müsste man dann aber auch auf Arbeitssuchende Kollegen_innen erweitern.
Ich finde halt, es hat 8 Jahre lang ohne Geld funktioniert. Soweit ich weiß (man berichtige mich, wenn es nicht stimmt), haben es bisher alle anderen geschafft die Camps mit Sponsoren zu finanzieren.
Ich kann es leider nicht so verargumentieren, warum ich „nein“ sage. Es ist so ein Gefühl und ein Angenervtsein von Sponsoren (dass ist jetzt kontraproduktiv ^^). Aber vielleicht sollten die Sponsoren auch mal realistisch bleiben, es ist eine kleine Veranstaltung, sie werden immer (!) genannt. Was erhoffen sie sich also von Ständen? Wenn ich Präsenzen vor Ort will, dann geh ich wieder nur zu Kongressen. Wenn die Sponsoren einen Mehrwert aus ihrem Sponsoring ziehen wollen, dann sollen sie Leute hin schicken die Sessions halten oder zumindest in welche rein setzen. Dass würde einigen sicher gut tun, damit sie mal wieder wissen welche Probleme es bei ihren Kunden oder Mitgliedern gibt.
Gegen Sponsorenpräsenz im Sinne von Flyern oder ein Poster ist nichts einzuwenden, finde ich gerechtfertigt.

Ein schwieriges Thema. Sicher sind Traditionen auch mal dazu da sie zu brechen, aber hier würde ich doch gern am kostenfreien Charakter festhalten.

So, für nächstes Jahr gibt es leider noch niemanden. Wer war denn noch nicht dran? Die Münchener Bibliotheksschule wenn ich nicht irre ^^ Und die Berliner? Aber warum nicht auch mal wie bei uns in Nürnberg, wo Bibliotheken die Arbeit übernommen haben?! Wir dürfen gespannt sein. Ich könnte mich für einen „Austragungsort“ am Meer erwärmen. Ob Ost- oder Nordsee wäre mir egal.
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