Pokémon Go go go…

Ich will kurz das Sommerloch nutzen. Eigentlich fällt es ja dieses Jahr aus, weil die Welt sich als schrecklicher Ort zeigt.
Daher flüchten wir „alle“ in die Welt von Pokémon Go. Eine Flucht nach außen, denn in dem Fall muss man zum Spielen tatsächlich nach Draußen gehen. Selten sah man so viele Menschen in der Öffentlichkeit Eier ausbrüten. Oder kleine bis große Monster fangen. Wobei man sie natürlich nicht wirklich sieht, aber jede Person die auf ihr Handy schaut wird direkt verdächtigt Pokémon Go zu spielen. Dabei kann es natürlich auch sein, dass die Leute einfach etwas nachschauen, Nachrichten schreiben oder auf diese eigenartige Art und Weise telefonieren, wo man das Handy nicht mehr ans Ohr hält sondern nur vor sich her trägt.

Pokémon Go, war schon ein Hype bevor es offiziell in Deutschland an den Start ging. Auch ich musste mir die App sofort runterladen als sie auf den Markt kam. Ganz früher habe ich sogar mal die Serie geschaut, dann wurde ich älter und fand es doof, jetzt bin ich noch älter und spiele es als Spiel auf dem Smartphone.

Fast schon erstaunlicherweise war das Spiel auch schnell bei den Bibliotheken angekommen, aus dem recht einfach Grund, dass viele Bibliotheken auch Pokéstops sind (ich fange jetzt übrigens nicht an, das Spiel zu erklären). Auch „meine“ UB, ist ein Pokéstop.
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Während viele dies als etwas Positives hinnehmen, gibt es natürlich auch Diejenigen die es nicht so toll finden. Was irgendwie normal und legitim ist, irgendwie ein bißchenschade und man möchte sagen: irgendwie typisch Bibliothek.

Die zwei Hauptkritikpunkte sind: schlechter Datenschutz und Kommerz.

Schlechter Datenschutz stimmt, dem kann man nicht wiedersprechen. Pokémon will auf alles zugreifen was das Smartphone zu bieten hat, sinnvoll ist das wie immer nicht. Interessiert das aber die Spielenden? Nein. Muss man einfach so sagen und feststellen. Dies wurde auch schon von deutschen Datenschützern moniert, aber meines Wissens gab es da bisher kein einlenken seitens der Betreiber.

Kommerz. Es war die Stadtbibliothek Nordenham die sich zur Pokemonfreien Zone berief. Der Grund ist allerdings nicht, wie man annehmen konnte (und wie auch ich es mir zuerst dachte) Technik- oder Spielerfeindlichkeit, sondern Kritik an der Kommerzialisierung des öffentlichen Raums. Wieso das? Weil natürlich auch beim kostenlosen Spiel Pokémon Go InApp-Käufe möglich sind. Und zwar mit ganz realem Geld. Allerdings muss auch gesagt werden, dass ein einfaches Schild (https://www.facebook.com/StadtbuechereiNordenham/posts/1120783954667667:0) dies nicht erklären kann und so am Ende doch wieder der Eindruck entsteht, dass Bibliotheken irgendwie langweilig sind, weil sie allen den Spaß verderben wollen. Mal stark überspitzt gesagt. (Obwohl eine lange Erklärung wohl auch niemand lesen würde.)

Wobei die Kritik berechtigt ist. Denn am Ende profitiert nur der Hersteller/Vertrieb von den Käufen. Oder zumindest überwiegend, natürlich wird es nicht ausbleiben dass vielleicht mal ein Eis, ein Buch oder ein xyz mehr verkauft wird, weil der_die geneigte Spieler_in bei einem Geschäft eine Pokémon oder einen Pokéstop entdeckt. Ob Bibliotheken mehr Nutzer_innen generieren können, möchte ich anzweifeln. Trotzallem finde ich Bibliotheken als Pokéstop gut. Ich könnte so ein Schild tatsächlich eher verstehen, wenn Spielende durch ihre Anwesenheit (gern in Kleingruppen) massiv in den Bibliotheken stören würden. Gibt es da Erfahrungswerte?

Ich finde diese Stops generell interessant, weil ich auf Dinge aufmerksam wurde, die ich bisher nie bemerkt habe. Aber dass ist eventuell eine Frage des Alters.. wie irritierend dass ich scheinbar in dem Alter bin, wo ich so was ganz unironisch schreibe und mich für „Dinge“ interessiere.

Ein guter Beitrag, was genau das Problem mit dem Kommerz ist, bietet dieser Beitrag: http://www.vox.com/2016/7/12/12152728/pokemon-go-economic-problems
Und in diesem geht es um das Problem, dass Pokémon Go stark auf (Groß-)Städte ausgerichtet ist: http://www.zeit.de/digital/games/2016-08/pokemon-go-verteilung-demografie-ingress/komplettansicht

Weitere Lesetipps:
DonBib: Der PokeHype, die Bibliothekswelt und ein altes Problem
Christian Buggisch: Pokemon Go und was manche einfach nicht verstehen wollen

Also Fazit: Jeder wie er will. Ich denke, dass es in dieser Diskussion kein richtig oder falsch gibt. Alle haben ein bißchen Recht. Bitte kommt niemand auf die Idee irgendwelche quarkigen Richtlinien zu entwickeln. Pokémon ist relaistisch betrachtet ein Hype. Auch dieser wird irgendwann wieder abflachen, bis der nächste kommt. Es ist gut, wenn man sich als Bibliothek damit auseinander setzt. Ob immer eine aktive Reaktion nach Außen hin wichtig und sinnvoll ist, muss dann jeder für sich entscheiden.

Entgegen meines besseren Wissens, spiele ich es auch noch. Ich hoffe aber, dass am Datenschutz doch nochmal geschraubt wird.

So long: Keep calm and catch them all!
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