If Black People Said The Stuff White People Say

Eine unbequeme Wahrheit

„Der Rassist in uns“, eine sehenswerte Doku über einen Workshop, welcher Aufzeigen soll, wie schnell man zum Rassisten wird oder wie es sich anfühlt diskriminiert zu werden. Wie funktioniert Diskriminierung?

Zu sehen in der ZDF Mediathek: Klick mich.
Sehr sehenswert, sehr unbequem, sehr bedrückend. Aber wichtig, wichtig, wichtig!

Die Idee beruht auf Jane Elliott (einen Wikipedia Eintrag über sie gibt es nur in der englischen Wikipedia).

Allein schon weil man in Bibliotheken mit vielen verschiedenen Menschen arbeitet, sollte man sich die Doku anschauen, zu Herzen nehmen und sein Verhalten gegebenenfalls anpassen und optimieren.

Die Sache mit dem N* Wort

Eigentlich hatte ich diese Artikelidee bereits wieder verworfen, bis ich heute in den Erlanger Nachrichten ein Interview mit der Leiterin der Stadtbibliothek Erlangen zum Thema las. Daraufhin sehe ich mich nun doch „gezwungen“ eine andere Meinung zu vertreten. Erschütternd (für mich) ist dabei, dass sie in der Bibliothekswelt mit dieser Meinung nicht allein dasteht. Als das Thema noch aktueller war, konnte man bei Twitter viel Empörung bei Bibliothekaren und Bibliothekarinnen lesen. Gerne wurde die Worte „Zensur“ und „Kultur“ verwendet. Ich habe keinen dieser Tweets favorisiert (weil sie es nicht verdient hatten) und kann so keine Beispiele mehr nennen.

Fangen wir kurz von vorne an. Vor einigen Wochen forderte ein Vater, aus Kinderbuchklassikern rassistische Begriffe zu tilgen. Er wollte seiner Tochter unter anderem nicht zumuten  N* und andere diskriminierende Begriffe vorzulesen. Nach einem Mailwechsel hatte der Verlag und die Verwandtschaft Preußlers ein einsehen und noch in diesem Jahr soll eine Version von „Die kleine Hexe“ erscheinen, wo auf derartige Worte verzichtet wird. Thienemann versprach daraufhin weitere Bücher nach rassistischen und diskriminierenden Worten zu durchsuchen und auch diese zu ersetzen.

Nun sollte man meinen, dass dies unter großem Beifall der Öffentlichkeit passierte. Ist es doch ein Schritt in die Richtung, Rassismus und Diskriminierung zu bekämpfen. Aber nein! Was passierte? Plötzlich war die Rede von Zensur, Kulturverfall, sprachliche Armut die über Deutschland hereinbricht. Unangebrachte Vergleiche zur Bücherverbrennung der Nationalsozialisten kamen natürlich auf. Kommentare die meinten, wenn man diese Worte verwendet sei dass nicht rassistisch, sondern man beschreibt nur einen Menschen. Aha! Ehrlich, ich möchte kotzen wenn ich so was lese, ich kann es nicht anders sagen.

Ja, ich weiß dass es zur Entstehungszeit der Bücher die es betrifft, noch völlig „normal“ war N* (und andere diskriminierende Worte) zu benutzen. Aber heute ist nicht mehr damals. Heute wissen wir, dass es andere Menschen verletzt wenn man sie mit diskriminierenden Worten bedenkt.
Und ja, ich weiß auch, dass das Streichen aus den Büchern nicht dazu führen wird, dass alle Kindern tolerant sein werden. Nein, dafür ist vor allem die Gesellschaft verantwortlich. Aber es ist ein Anfang, ein weiterer Schritt in die richtige Richtung. Man muss irgendwo anfangen und ich denke Kinderbücher sind genau der richtige Ort dies zu tun.
Wie kann eine, angeblich weltoffene Gesellschaft, an einem Wort hängen das vor allem mit Kolonialismus und Sklaverei verbunden ist? Welche sprachliche Armut wird eintreten wenn man Menschen als Menschen bezeichnet und nicht mehr nach Hautfarbe, vermuteter Herkunft oder anderen Merkmalen bezeichnet?

Dieses Änderungen sind keine Zensur, sondern Notwendigkeit!

Ich hatte als Kind auch ein Buch namens „10 kleine N*lein“. Ich habe es oft vorgelesen bekommen und auch gerne angeschaut. Heute würde ich einem Kind lieber „10 kleine Jägermeister“ beibringen als dieses Buch nochmal aus der Mottenkiste zu holen. In meiner Familie bin ich diejenige die meine Familienmitglieder immer mal wieder ermahnen muss nicht dieses Wort zu verwenden. Ich möchte es einfach nicht mehr hören, ich möchte keine abwertende Begriffe für Menschen hören. Ist das wirklich noch nötig, sollten wir nicht längst darüber hinweg sein?

Und das schlimmste für mich ist, dass Bibliothekare und Bibliothekarinnen sosehr an den Büchern hängen, so sehr Angst um das Kulturgut Buch haben, dass sie diese Worte verteidigen! Ich bin auch Bibliothekarin, ich liebe Bücher wirklich. Aber noch wichtiger finde ich eine tolerante Gesellschaft.

Ich möchte kurz eine Freundin zitieren, die sich zum erstgenannten Interview der Leiterin der Stadtbib ER geäußert hat:

„Farbige“, von einer Frau, die im Bereich „Kultur und Bildung“ tätig ist.

Besonders schlimm bei der Berichterstattung war und ist, dass das N* Wort ständig ausgeschrieben wird. Es wird ganz „normal“ verwendet, als ob es nichts schlimmes wäre. Aber dass ist es!

Ich möchte an den Brief des kleinen Mädchens erinnern, die sich furchtbar fühlt wenn man sie mit N* anredet.

Als weiteren Lesetipp für alle verweise ich auf einen Artikel bei mädchenmannschaft.net: Hamsterrad der Ignoranz – Wenn Weiße mit sich selber über Rassismus reden

Der Titel stellt auch eines der Kernprobleme dieser Diskussion dar. „Weiße“ urteilen darüber was rassistisch ist und was nicht.

Zum Abschluss meines Artikels, mit dem ich mich gerne unbeliebt mache, möchte ich mich kurz selbst zitieren (eine Nachricht an meinen oben zitierte Freundin, die in der ersten Wut über den Artikel entstand):

Was geht denn ab in der „offenen“ Bibliothekswelt. Als ob das was mit Bücher schützen zu tun hat, warum soll man ein rassistisches Wort beschützen? Warum soll man es überhaupt in die Köpfe der Kinder bringen? Meine Fresse!!!!!!!!