Nachtrag zur N* Wort Debatte (meine Fragestunde)

Frage: Ihre seit Bibliothekar/Bibliothekarin in einer öffentlichen Bibliothek. Ihr habt eine Vorlesestunde bei einer Gruppe von Kindern mit verschiedenen Hautfarben. Ihre nehmt zum Vorlesen zum Beispiel „Die kleine Hexe“. Dann setzt ihr euch vor diese Kinder und lest dann das N* Wort vor? Und dann? Danach geht ihr zum Kind, welches potentiell so betitelt werden könnte und erklärt ihm dass das nicht so gemeint ist? Wie genau kann ich mir die N* Wort Problematik in Kinderbüchern in der bibliothekarischen Praxis denn vorstellen?

Was werdet ihr tun, wenn Mutter, Vater, Oma, Opa, Tante oder Onkel ankommen und sich hinterher beschweren, weil das Kind nun verstört ist, weil Freunde aus der Gruppe dieses Kind nun plötzlich mit N* bezeichnen. Was dann? Sag ihr diesen Leuten dann auch: Das gehört zur Kultur, zur Sprache? Sprecht ihr dann wieder von Zensur? Darauf hätte ich doch gern mal eine Antwort!

Wie genau klärt ihr denn Kinder über das N* Wort auf? Was genau werdet ihr ihnen sagen? Das interessiert mich!
Erklärt ihr den Kindern woher das N* Wort kommt und sagt dann, dass man es nie verwenden darf, weil man damit andere verletzt? Ich möchte das wirklich wissen!

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Ich habe mit Leuten gesprochen die sagten, dass „diese Leute“ dann die entsprechenden Kinderbücher einfach meiden müssen. Ich habe mit Leuten gesprochen die vorschlugen man soll vorne in das Buch einen Aufkleber machen, auf dem steht dann wahlweise: „Achtung, N* im Buch“ oder „Nichts für schwache Gemüter“. Ich habe mit Leuten gesprochen die mir sagten: „N* sind nun mal N*!“

Und das schlimme daran, es sind alles Bibliothekare und Bibliothekarinnen.

Bibliotheken schreiben sich doch immer auf die Fahnen offen für alle Kulturen zu sein. Ist das offen?

Viele Bibliotheken haben extra fremdsprachige Bestände, aber zur gleichen Zeit Bücher im Bestand die einen Teil ihrer Benutzer diskriminiert. Nun gibt es die Chance das zu ändern, aber keiner macht es.

Warum verstehen die Angehörigen von O. Preußler (und der Autor selbst) und zwei große Verlage das Problem und reagieren völlig angemessen darauf, aber die Bibliothekare und Bibliothekarinnen verteidigen die Nutzung rassistischer Worte? Es ist außerdem keine Zensur, wenn der Autor bzw. deren Vertreter dem zustimmen. Alle sprechen davon dass nun alles zensiert wird, davon war nie die Rede, niemand hat das gefordert. Man will sich doch nur vor der eigentlichen Debatte drücken, in dem man diese Pauschalisierungen aus dem Sack holt.

Ähnlich auch wenn dann verglichen wird, dass Fernsehen viel gefährlicher für Kinder ist als das N* Wort. Nur, was hat dass eine mit dem anderen zu tun. Es geht nicht um die Gefahr die von einem Wort ausgeht, sondern es geht darum wie man Menschen gegenüber steht. Wahrscheinlich wird das N* Wort niemanden töten. Aber es verletzt unglaublich viele Leute!

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Es kam der Vorschlag von DonBib wir sollten nicht über die korrekte Bezeichnung reden, sondern Veranstaltungen dazu anbieten. Das mag im Kern eine gute Idee sein, aber bei der praktischen Umsetzung habe ich Angst dass es eine Diskussion von Weißen, für Weiße wird und am Ende sich alle bestätigen dass das N* Wort erhalten bleibt.

Ich wäre allerdings interessiert daran, wie genau ihr euch so eine Debatte vorstellt! Notwendig ist sie auf jeden Fall!

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Ich möchte noch einen Hinweis an alle geben die rassistische und diskriminierende Worte verteidigen: Schaut euch mal die Welt an und dann schaut wer hautfarbenmäßig unterlegen ist (kleiner Hinweis, ein Blick in den Spiegel sollte bei vielen die Antwort bringen).

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Ich ende hier mit einem Zitat aus einem Artikel von „Der Tagesspiegel“ (Hervorhebung von mir)

Wenn nun in der aktuellen Debatte darauf verwiesen wird, dass es einmal „normal“ gewesen sei, das N-Wort zu benutzen, muss man sich fragen, was das für eine Zeit war. Rassismus war eben überall salonfähig. Es kann keine „neutrale“ Verwendung des N-Wortes geben. Es war immer herabwürdigend gemeint. Nur waren die, die etwas dagegen gesagt hätten, in der Minderheit.

Die Sache mit dem N* Wort

Eigentlich hatte ich diese Artikelidee bereits wieder verworfen, bis ich heute in den Erlanger Nachrichten ein Interview mit der Leiterin der Stadtbibliothek Erlangen zum Thema las. Daraufhin sehe ich mich nun doch „gezwungen“ eine andere Meinung zu vertreten. Erschütternd (für mich) ist dabei, dass sie in der Bibliothekswelt mit dieser Meinung nicht allein dasteht. Als das Thema noch aktueller war, konnte man bei Twitter viel Empörung bei Bibliothekaren und Bibliothekarinnen lesen. Gerne wurde die Worte „Zensur“ und „Kultur“ verwendet. Ich habe keinen dieser Tweets favorisiert (weil sie es nicht verdient hatten) und kann so keine Beispiele mehr nennen.

Fangen wir kurz von vorne an. Vor einigen Wochen forderte ein Vater, aus Kinderbuchklassikern rassistische Begriffe zu tilgen. Er wollte seiner Tochter unter anderem nicht zumuten  N* und andere diskriminierende Begriffe vorzulesen. Nach einem Mailwechsel hatte der Verlag und die Verwandtschaft Preußlers ein einsehen und noch in diesem Jahr soll eine Version von „Die kleine Hexe“ erscheinen, wo auf derartige Worte verzichtet wird. Thienemann versprach daraufhin weitere Bücher nach rassistischen und diskriminierenden Worten zu durchsuchen und auch diese zu ersetzen.

Nun sollte man meinen, dass dies unter großem Beifall der Öffentlichkeit passierte. Ist es doch ein Schritt in die Richtung, Rassismus und Diskriminierung zu bekämpfen. Aber nein! Was passierte? Plötzlich war die Rede von Zensur, Kulturverfall, sprachliche Armut die über Deutschland hereinbricht. Unangebrachte Vergleiche zur Bücherverbrennung der Nationalsozialisten kamen natürlich auf. Kommentare die meinten, wenn man diese Worte verwendet sei dass nicht rassistisch, sondern man beschreibt nur einen Menschen. Aha! Ehrlich, ich möchte kotzen wenn ich so was lese, ich kann es nicht anders sagen.

Ja, ich weiß dass es zur Entstehungszeit der Bücher die es betrifft, noch völlig „normal“ war N* (und andere diskriminierende Worte) zu benutzen. Aber heute ist nicht mehr damals. Heute wissen wir, dass es andere Menschen verletzt wenn man sie mit diskriminierenden Worten bedenkt.
Und ja, ich weiß auch, dass das Streichen aus den Büchern nicht dazu führen wird, dass alle Kindern tolerant sein werden. Nein, dafür ist vor allem die Gesellschaft verantwortlich. Aber es ist ein Anfang, ein weiterer Schritt in die richtige Richtung. Man muss irgendwo anfangen und ich denke Kinderbücher sind genau der richtige Ort dies zu tun.
Wie kann eine, angeblich weltoffene Gesellschaft, an einem Wort hängen das vor allem mit Kolonialismus und Sklaverei verbunden ist? Welche sprachliche Armut wird eintreten wenn man Menschen als Menschen bezeichnet und nicht mehr nach Hautfarbe, vermuteter Herkunft oder anderen Merkmalen bezeichnet?

Dieses Änderungen sind keine Zensur, sondern Notwendigkeit!

Ich hatte als Kind auch ein Buch namens „10 kleine N*lein“. Ich habe es oft vorgelesen bekommen und auch gerne angeschaut. Heute würde ich einem Kind lieber „10 kleine Jägermeister“ beibringen als dieses Buch nochmal aus der Mottenkiste zu holen. In meiner Familie bin ich diejenige die meine Familienmitglieder immer mal wieder ermahnen muss nicht dieses Wort zu verwenden. Ich möchte es einfach nicht mehr hören, ich möchte keine abwertende Begriffe für Menschen hören. Ist das wirklich noch nötig, sollten wir nicht längst darüber hinweg sein?

Und das schlimmste für mich ist, dass Bibliothekare und Bibliothekarinnen sosehr an den Büchern hängen, so sehr Angst um das Kulturgut Buch haben, dass sie diese Worte verteidigen! Ich bin auch Bibliothekarin, ich liebe Bücher wirklich. Aber noch wichtiger finde ich eine tolerante Gesellschaft.

Ich möchte kurz eine Freundin zitieren, die sich zum erstgenannten Interview der Leiterin der Stadtbib ER geäußert hat:

„Farbige“, von einer Frau, die im Bereich „Kultur und Bildung“ tätig ist.

Besonders schlimm bei der Berichterstattung war und ist, dass das N* Wort ständig ausgeschrieben wird. Es wird ganz „normal“ verwendet, als ob es nichts schlimmes wäre. Aber dass ist es!

Ich möchte an den Brief des kleinen Mädchens erinnern, die sich furchtbar fühlt wenn man sie mit N* anredet.

Als weiteren Lesetipp für alle verweise ich auf einen Artikel bei mädchenmannschaft.net: Hamsterrad der Ignoranz – Wenn Weiße mit sich selber über Rassismus reden

Der Titel stellt auch eines der Kernprobleme dieser Diskussion dar. „Weiße“ urteilen darüber was rassistisch ist und was nicht.

Zum Abschluss meines Artikels, mit dem ich mich gerne unbeliebt mache, möchte ich mich kurz selbst zitieren (eine Nachricht an meinen oben zitierte Freundin, die in der ersten Wut über den Artikel entstand):

Was geht denn ab in der „offenen“ Bibliothekswelt. Als ob das was mit Bücher schützen zu tun hat, warum soll man ein rassistisches Wort beschützen? Warum soll man es überhaupt in die Köpfe der Kinder bringen? Meine Fresse!!!!!!!!