RDA – Richtig doofe Aufnahmen

Die einen oder anderen werden schon mitbekommen, dass ich momentan, intervallweise auf Twitter gegen RDA rumpolter. (Um genau zu sein, ist dass jedes Mal wenn es noch keine Aufnahme für das mir vorliegende Buch gibt.) Wobei es gar nicht mehr um RDA an sich geht (nun ist es da, finden wir uns damit ab), sondern eher um die RDA Schulungen hier in Bayern.

Fangen wir von vorne an. Als klar wurde, dass RAK geht und RDA kommt, war ich so mittel begeistert. Also eigentlich gar nicht. Ich bin prinzipiell niemand der Veränderungen ablehnt, aber ein neues Regelwerk lernen. Dooooof. Und ich fand es auch massiv aufwendig, alle (!) müssen geschult werden. Für dann zwar ein einheitliches System, dass dann aber doch wieder Ausnahmen zulässt. Soviel zum einheitlichen Standard. Und für die Nutzer_innen der Bibliotheken hat es doch eh keinen Vorteil. Die meisten suchen nach Autor und Titel, ob der_die Autor_in nun mit allen Doktortiteln dasteht oder nicht interessiert da wenig.

Als es dann hieß, in Bayern haben wir nur 3 Tage lang Schulungen, war ich erst mal innerlich so: Yay! Dann war es nur noch ein kleines yay, weil es 3 Tage mit je 8 Stunden Schulung sein sollten. Da war ich innerlich eigentlich schon raus aus der Schulung. Ich gebe zu, mich 8 Stunden am Stück auf eine Sache zu konzentrieren, kann ich nicht. Es ist mir unmöglich und dann auch noch bei einem recht trockenen Thema wie Katalogisierung. (8 Stunden zum Umgang mit diversen Nutzer_innen an der Infotheke kriege ich hin.)

Also 24 Stunden Schulung, ohne dabei auch nur einmal den PC zu nutzen, schon supi. Ich mache meine Katalogisate immer erst mal handschriftlich um sie dann mit der Schreibmaschine auf die Karteikarten zu tippen… ach nein, das waren dann doch eher die Generationen vor mir. Diese Entscheidung fand ich schon schlecht. Man hat versucht die Schulung mit Übungen und Spielchen aufzulockern. Aber die Bewertung „er_sie hat sich bemüht“ war in der Schule schon nicht so prall. Wird bei Schulungen auch nicht besser. Ich konnte in den Schulungen nur mit Kaffee und Ablenkung durch mein Handy und die Kollegen_innen überleben. Hinterher hatte ich dann viel Papier in der Hand und wenig Wissen im Kopf. Außer dass ich jetzt alles abschreiben kann, was auf der Haupttitelseite steht (die jetzt glaube ich auch nicht mehr so genannt wird) ist nicht so viel hängen geblieben.

Als ich beim Bibcamp war, erzählte mir eine Kollegin (sie hat RDA Schulungen gehalten) dass bei ihr (und natürlich habe ich vergessen wo genau, vielleicht kann Eva dass hier nochmal kommentieren?) die Leute 2 Wochen lang Schulung hatten und auch nur halbtags.
Mal ehrlich, RAK habe ich Studium mind. 4 Semester lang gehabt. Und es wird jetzt von mir erwartet, dass ich ein neues System am 3 Tagen lerne… ohne wirkliche Übungen. Ich glaube wir haben 4 Übungsaufgaben gehabt. Na danach fühle ich mal sicher in RDA… nicht. So mal ich sie auch nicht richtig hatte 😦

Ich möchte dass auch noch! Freiwillig! Ich passe auch auf! 4 Stunden krieg ich hin. In zwei Wochen kann man auch viel mehr lernen, üben und wiederholen. Wer in Bayern hatte eigentlich die dämliche Idee, diese massiv gestraffte und pädagogisch wertlose Variante zu wählen? Ehrlich, es ist doch ein Witz. Wir als Bibliotheken labern von Medienkompetenz und Informationsvermittlung, kriegen dass aber bei uns selber nicht hin. Wäre es nicht so traurig, müsste ich lachen.

Und ich jetzt? Ich hoffe bei jedem neuen Buch dass es eine Stufe 5 Aufnahme in RDA ist. Ist es Stufe 5 nach RAK, dann bleibt RAK. Bei Neuaufnahmen verzweifel ich dann immer, ein wenig ist es wie die 5 Phasen der Trauer:
1. Leugnen: Vielleicht habe ich nicht richtig gesucht, ich warte ein paar Tage und hoffe dass ich nicht die Person bin, die die Aufnahme machen muss
2. Zorn: RDA hassen, schlechte Schulung hassen – das abwechselnd

3. Verhandeln: naaa.. ich kann es meinen Kollegen_innen auch nicht antun 😉
4. Depression: da starte ich einen ersten Versuch des Katalogisierens und gebe dann auf, weil ich es nicht ohne Unterlagen hinbekomme.

5. Akzeptanz: Nach einer Woche Buch liegen lassen und niemand hat eine Aufnahme gemacht, muss ich dann wohl ran. Ich brauche dafür gefühlt eine Stunde… effektiv ist anders.

Der Witz ist, ich kann einem neuen Buch in 5 Minuten eine RVK verpassen, brauche aber das 10fache an Zeit um das Buch in den Katalog zu bringen. Andere sind da vielleicht begabter oder haben mehr Übung. Mein Problem ist sicher auch, dass ich vielleicht alle 2 Wochen mal eine Neuaufnahme machen kann. Aber meine Juristen kaufen halt vor allem deutschsprachige Bücher in der x. Auflage.

Ich fordere daher Nachschulungen für alle die wollen!

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6 Kommentare zu „RDA – Richtig doofe Aufnahmen

  1. So wenige Schulungen mit 8 h täglich? Das ist ja unglaublich! Ich bin hier in Berlin in einer WB und wir hatten letztes Jahr 30h Schulungen, die sich auf 4 Wochen erstreckten. Wir wurden zweimal in der Woche für 3h (inkl. 10 min Pause) geschult. Ohne die nette Versorgung mit Kaffee/Tee und Süßem hätten wir das auch schwer überstanden. Ein riesiger Vorteil waren m.E. auch die praktischen Übungen am PC auf dem Testserver.

  2. Ich komme aus dem ÖB-Bereich – d.h. kaum Fremddatenübernahme, höchstens mal von Amazon, ekz und Co aber nichts bibliografisch hochwertiges. Wir müssen alles selbst katalogisieren bzw. stark nachbearbeiten. Ich wurde an einem einzigen Tag „geschult“… Wobei die Referentin krank war und wir einen 3stündigen Ersatzcrashkurs hatten. Es soll jetzt nochmal eine Schulung geben. Wieder nur 1 Tag, diesmal inklusive Pausenzeiten 7-8 Stunden… Ich wäre glücklich wenigstens 3 Tage lang 8 Stunden lang geschult zu werden. Fühle mich in dieser Sache ziemlich allein gelassen 😦 Geübt hatten wir übrigens gar nicht. Und auch hier in der Praxis kann ich noch nicht „üben“, weil unsere Software noch nicht mal ansatzweise auf RDA umgestellt ist.

  3. Derweil bekommen wir in der Berufsschule (Niedersachsen) RDA beigebracht von Leuten, die drei Tage Schulung hatten – aber nicht in allen Schulungssegmenten.
    RDA mag was feines sein – zumindest für uns, die wir nach dem Ende unserer Ausbildung direkt damit einsteigen können, die Schulungen im Rahmen der Einführung scheinen doch etwas zu wünschen übrig zu lassen…

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