Ist doch ironisch gemeint

(Ich nutze meinen freien Tag (neue Küche!) sinnvoll um mal zeitnah über was zu schreiben)
Gestern morgen ging es auf Twitter rum, ein Plakat vom Oetinger Verlag (diesen Tweet hatte ich dann als RT über meine Timeline verteilt).

Es handelt sich um eine Beilage zum Buch „Der Inhalt von Tanjas BH„. Auf der Verlagsseite wird es übrigens als „ultracoole[s] Mädchen- und Jungsposter“ beschrieben.

Der Beitrag ging schnell ins virale über. Auch viele Twitterer*innen aus dem feministischen Bereich griffen es auf. Und kurz danach kam auch schon der „Stern“ mit einem Artikel daher.

Oetinger hatte die Kritik wohl ebenfalls recht schnell mitbekommen und auf ihrer Facebook Seite (aber nicht auf der Verlagshomepage!) eine Stellungnahme dazu geschrieben.

oetinger

Ich gebe zu, da ich selbst nie ein 13jähriger Junge war, habe ich keine Vorstellung wie sie wirklich ticken.. das ändert aber nichts daran dass dieses Plakat völlig falsche Signale sendet.
Da hilft es nicht, wenn Oetinger schreibt sie haben es bewusst überspitzt dargestellt und dass jede*r erkennen kann, dass es sich hierbei um Ironie handelt. Sorry, aber nein. Wie sollen Kinder es als Ironie erkennen? Jugendliche vielleicht, aber Kinder die das Plakat sehen mit Sicherheit nicht. Denn eventuelle ist bekannt, dass Kinder Stilmittel wie Ironie nicht erkennen.
Oetinger schreibt selber, dass hier Vorurteile dargestellt werden die unter Jugendlichen weit verbreitet sind.. aha, das Problem haben sie erkannt. Und die Reaktion ist, ein Poster zu gestalten welches genau an diese Vorurteile anknüpft?! Na herzlichen Glückwunsch.. Nicht!

Selbst wenn diese Vorurteile im Buch aufgelöst werden, so sieht mensch auch dies dem Poster nicht an! Irgendjemand hat da etwas zu kurz gedacht. Mal davon abgesehen, dass ich die Inhaltsbeschreibung bei Oetinger auch eher zweifelhaft finde. Zitat: Doch gerade, als Tanja und er einander nahekommen, nehmen seine Eltern ihn mit in den Urlaub nach Dänemark. Bens bester Freund Felix bietet sich sofort an, auf Tanja aufzupassen. Sein Freund passt also auf das Mädchen auf.. bitte! Erstens können Mädchen auf sich selber aufpassen (würde ihnen nicht immer das Gegenteil eingeredet werden) und zweitens ist recht fragwürdig zu suggerieren dass es notwendig wäre. Aber der gute Ben hat scheinbar Glück im Unglück, denn er wird glücklicherweise schon von dem ganz und gar nicht unansehnlichen Mädchen in der Ferienhaussiedlung abgelenkt! Oder wie auf Amazon jemand schrieb: „Er kann ja schließlich nicht ahnen, dass ihm dort auch hübsche Kurven begegnen werden.“

Ach, ich weiß auch nicht. Wenn ich den Amazon Rezensionen glaube, finden es vor allem die Eltern super komisch. Und angeblich auch die Söhne dieser Eltern. Sicherlich spricht es Jugendliche an, aber zu welchem Preis? Mensch spielt am Ende doch wieder mit den Klischees, die jungen Mädchen zu schaffen machen. Am Ende zählt also Vermarktung und nicht Aufklärung. Das ist für mich das eigentliche Problem. Es ist natürlich neu, aber immer mal wieder besonders enttäuschend.

Und vor allem werden Seine Probleme besser weil er hübsche Mädchen trifft. Ja, bla bla.. Hauptsache hübsch. Kann er nicht feststellen dass andere Menschen auch kluge Töchter haben? Oder mal was ganz abgefahrenes, dass er nicht nur die klugen Töchter interessant findet, sondern auch die klugen Söhne? Aber dass wäre alles schon wieder zu schwierig, zu unbequem und lässt sich wahrscheinlich schlecht verkaufen. Obwohl doch das genauso ein „Problem“ von 13jährigen Jungs sein kann. Aber natürlich bleiben wir hier brav im heteronormativen Bereich. Niemand möchte die Kinder und Jugendlichen unnötig „belasten“ oder gar Alternativen aufzeigen oder zeigen dass es noch mehr in der Welt gibt als nur Mädchen und Jungs.

Vielleicht wird es doch mal ein Buch geben, welches auf amüsante Art und Weise Kindern und Jugendlichen zeigt, wie schlimm die Geschlechterklischees sind. Ohne vorher mit ihnen gezielt zu provozieren und sie dadurch wieder zu bestärken.

NACHTRAG zur FB Stellungnahme: Auffallend ist hier die Ansprache aller „der Leser“. Auch wenn dass Buch vor allem männliche Jugendliche ansprechen soll, so ist die kein Grund nur vom männlichen Leser zu reden. Allein wenn mensch nochmal in die bereits angesprochenen Amazaon Beurteilungen schaut, wird mensch merken dass auch viele Mütter zu Kreis der Lesenden gehören. Dies sollte auch dem Oetinger Verlag bewusst sein.

Viel frappierender ist allerdings noch diese Behauptung: „Hier geht es nicht um eine ernst gemeinte Darstellung von Geschlechtereigenschaften, sondern um unter Jugendlichen in der Pubertät weit verbreitete Vorurteile.“

Auch hier werden wieder die weiblichen Jugendlichen ausgeschlossen. Denn ich hoffe doch (und gehe auch davon aus), das Mädchen von ihrem Kopf nicht als „Hohlraum“ sprechen. Es geht darum wie männliche Jugendliche, nach Ansicht der Verlags, Mädchen sehen. Das sollte man so auch explizit schreiben.

Im übrigen wäre das Poster wohl auch weniger kontrovers, hätte es irgendeine Überschrift, die anzeigt, dass es hier um die Gedanken des Buchprotagonisten geht.

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