Nachtrag zur N* Wort Debatte (meine Fragestunde)

Frage: Ihre seit Bibliothekar/Bibliothekarin in einer öffentlichen Bibliothek. Ihr habt eine Vorlesestunde bei einer Gruppe von Kindern mit verschiedenen Hautfarben. Ihre nehmt zum Vorlesen zum Beispiel „Die kleine Hexe“. Dann setzt ihr euch vor diese Kinder und lest dann das N* Wort vor? Und dann? Danach geht ihr zum Kind, welches potentiell so betitelt werden könnte und erklärt ihm dass das nicht so gemeint ist? Wie genau kann ich mir die N* Wort Problematik in Kinderbüchern in der bibliothekarischen Praxis denn vorstellen?

Was werdet ihr tun, wenn Mutter, Vater, Oma, Opa, Tante oder Onkel ankommen und sich hinterher beschweren, weil das Kind nun verstört ist, weil Freunde aus der Gruppe dieses Kind nun plötzlich mit N* bezeichnen. Was dann? Sag ihr diesen Leuten dann auch: Das gehört zur Kultur, zur Sprache? Sprecht ihr dann wieder von Zensur? Darauf hätte ich doch gern mal eine Antwort!

Wie genau klärt ihr denn Kinder über das N* Wort auf? Was genau werdet ihr ihnen sagen? Das interessiert mich!
Erklärt ihr den Kindern woher das N* Wort kommt und sagt dann, dass man es nie verwenden darf, weil man damit andere verletzt? Ich möchte das wirklich wissen!

*****

Ich habe mit Leuten gesprochen die sagten, dass „diese Leute“ dann die entsprechenden Kinderbücher einfach meiden müssen. Ich habe mit Leuten gesprochen die vorschlugen man soll vorne in das Buch einen Aufkleber machen, auf dem steht dann wahlweise: „Achtung, N* im Buch“ oder „Nichts für schwache Gemüter“. Ich habe mit Leuten gesprochen die mir sagten: „N* sind nun mal N*!“

Und das schlimme daran, es sind alles Bibliothekare und Bibliothekarinnen.

Bibliotheken schreiben sich doch immer auf die Fahnen offen für alle Kulturen zu sein. Ist das offen?

Viele Bibliotheken haben extra fremdsprachige Bestände, aber zur gleichen Zeit Bücher im Bestand die einen Teil ihrer Benutzer diskriminiert. Nun gibt es die Chance das zu ändern, aber keiner macht es.

Warum verstehen die Angehörigen von O. Preußler (und der Autor selbst) und zwei große Verlage das Problem und reagieren völlig angemessen darauf, aber die Bibliothekare und Bibliothekarinnen verteidigen die Nutzung rassistischer Worte? Es ist außerdem keine Zensur, wenn der Autor bzw. deren Vertreter dem zustimmen. Alle sprechen davon dass nun alles zensiert wird, davon war nie die Rede, niemand hat das gefordert. Man will sich doch nur vor der eigentlichen Debatte drücken, in dem man diese Pauschalisierungen aus dem Sack holt.

Ähnlich auch wenn dann verglichen wird, dass Fernsehen viel gefährlicher für Kinder ist als das N* Wort. Nur, was hat dass eine mit dem anderen zu tun. Es geht nicht um die Gefahr die von einem Wort ausgeht, sondern es geht darum wie man Menschen gegenüber steht. Wahrscheinlich wird das N* Wort niemanden töten. Aber es verletzt unglaublich viele Leute!

*****

Es kam der Vorschlag von DonBib wir sollten nicht über die korrekte Bezeichnung reden, sondern Veranstaltungen dazu anbieten. Das mag im Kern eine gute Idee sein, aber bei der praktischen Umsetzung habe ich Angst dass es eine Diskussion von Weißen, für Weiße wird und am Ende sich alle bestätigen dass das N* Wort erhalten bleibt.

Ich wäre allerdings interessiert daran, wie genau ihr euch so eine Debatte vorstellt! Notwendig ist sie auf jeden Fall!

*****

Ich möchte noch einen Hinweis an alle geben die rassistische und diskriminierende Worte verteidigen: Schaut euch mal die Welt an und dann schaut wer hautfarbenmäßig unterlegen ist (kleiner Hinweis, ein Blick in den Spiegel sollte bei vielen die Antwort bringen).

*****

Ich ende hier mit einem Zitat aus einem Artikel von „Der Tagesspiegel“ (Hervorhebung von mir)

Wenn nun in der aktuellen Debatte darauf verwiesen wird, dass es einmal „normal“ gewesen sei, das N-Wort zu benutzen, muss man sich fragen, was das für eine Zeit war. Rassismus war eben überall salonfähig. Es kann keine „neutrale“ Verwendung des N-Wortes geben. Es war immer herabwürdigend gemeint. Nur waren die, die etwas dagegen gesagt hätten, in der Minderheit.

Advertisements

3 Gedanken zu “Nachtrag zur N* Wort Debatte (meine Fragestunde)

  1. r4il schreibt:

    Es sollte mal eine Umfrage unter den entsprechenden Bevölkerungsgruppen gemacht werden, ob sie sich denn wirklich von der Wortwahl in den Büchern beleidigt fühlen. Prognose: die Diskussion um die Steichung des Wortes aus den Büchen ist überflüssig. Da werden Probleme konstruiert, die in der Realität nicht existieren. Ich habe noch kaum Wortmeldung zum Thema von den „Betroffenen“ gelesen. Insofern wird anscheinend wirklich ausschließlich „unter Weißen“ diskutiert.
    Aber so ist das oft mit der political correctness; störend findens nur die, welche nicht betroffen sind.

  2. Auralibby schreibt:

    Ach Du lieber Himmel! Es gibt SO VIELE Beiträge aus den „entsprechenden Bevölkerungsgruppen“, in denen mensch sich EINDEUTIG positioniert. Diese Beiträge kennst Du nicht? Tja, an Uninformiertheit ist jeder selbst schuld. Ach, und Marginalisierung ist eine klassische Derailing-Strategie (ist das eigentlich Zufall, dass der Wortstamm in Deinem Nick enthalten ist?), hat also mit einem echten Willen zum Diskurs nichts zu tun.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s